Harald Voglhuber | Photographer & Filmmaker

Werbefotografie & Werbefilme | Innsbruck, Tirol, Wien, Salzburg, Steiermark

Das perfekte Objektiv?

Bei unseren Fotokursen in Tirol & Salzburg ist das Thema Equipmentkauf ein großes Thema. Mal abgesehen von jenen, die bereits zum Einsteigerkurs mit einem vollen Rucksack mit Equipment erscheinen haben viele Kamera X mit einem Kit-Objektiv 18-55 mm oder 18-105 mm (oder ähnlicher Brennweitenbereich). Die Gößte Blendenöffnung ist hier oft nur moderat mit f/3.5 – 5.6. Ich spreche hier im konkreten Fall natürlich von Objektiven für sogenannte APS-C Kameras (DX bei Nikon), bei Vollformatkameras sind es oft die klassischen 24-105 mm oder 24-120 mm mit Blende f/4. Hier nur Kurz, bei Vollformat Kameras ist der Sensor gleich groß, wie früher bei Negativ-/Diafilmen. Wer den Unterschied zwischen APS-C, Vollformat und sonstigen Sensorgrößen nicht kennt, findet weitere Informationen dazu in meinem Artikel zu Kameras.

Nun taucht im Laufe der Kurse oft auch die Frage auf “Welches zusätzliche Objektiv würde für mich Sinn machen?”. Wie vieles ist auch diese Frage leider nicht sehr einfach zu beantworten. Schon alleine Nikon hat ca. 80 unterschiedliche Objektive, die aktuell und neu verkauft werden, bei Canon wird es nicht viel anders sein. Ich werde der Einfachheit halber hier auch vorwiegend bei Canon & Nikon bleiben, weil es gerade dadurch, dass es APS-C & Vollformatkameras gibt, die teils die gleichen Objektive verwenden können sich ein paar spezielle Überlegungen ergeben. Fuji, Olympus und Panasonic zum Beispiel haben im Augenblick einen einheitlich großen Sensor über die gesamte Kamerapalette hinweg. Bei Sony wird’s noch etwas komplizierter, die haben im Augenblick DSLRs (digitale Spiegelreflexkameras) und spiegellose Systemkameras sowohl im APS-C, als auch Vollformat und ich glaube es gibt mittlerweile 5 unterschiedliche Anschlusssysteme, die untereinander nicht oder nur bedingt kompatibel sind :-)

 

1. Grundsätzliches zu Beginn!
Ein gutes Objektiv ist sehr wichtig, oft wichtiger als die Kamera. Kauft man sich die beste Kamera mit der höchsten Auflösung und schraubt dann ein qualitativ schlechtes Objektiv auf diese Kamera, wird man nie das Potential der Kamera ausschöpfen können. Mit (sehr) guten Objektiven kann man allerdings oft ungeahntes Potential aus vermeintlich weniger guten Kameras herausholen. Meistens hilft schon ein stabiles Stativ, um technisch bessere Bilder zu bekommen. Wenn man vor hat sich neues Equipment zu kaufen, weil das bestehende Equipment zu schlecht ist, sollte man sich immer erst folgendes überlegen.

1. Kann ich meine Technik/Schooting-Disziplin verbessern um technisch bessere Bilder zu bekommen (das ist oft die wahre Lösung, an die zuletzt gedacht wird ;-)) Gerade unser Fotokurs “Grundlagen der digitalen Fotografie” in Tirol & Salzburg zielt genau auf dieses Thema ab!
2. Die Verwendung eines stabilen Stativs sorgt vor allem bei Landschaften und anderen statischen Motiven meistens schon dazu, dass man viel mehr Details festzuhalten kann, als gewöhnlich.
3. Wenn wir bis jetzt noch nicht zufrieden sind, ist der Zeitpunkt gekommen sich über Objektive Gedanken zu machen bzw. ob ein Objektiv das Problem lösen könnte.
4. Die Kamera wäre in den meisten Fällen der letzte Punkt. Es ist wohl ganz egal welche Kamera man sich aus der aktuelle Generation kauft. Wirklich alle sind mehr als gut genug um hochwertige Drucke in üblichen Größen zu produzieren. Wer hier bei Punkt 4 angekommen ist, eine neue Kamera hat und dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, sollte sich noch einmal Punk 1 durchlesen :-)

 

2. Wie sieht meine Ausrüstung aus?
Für einen Auftrag habe ich im wesentlichen folgende 3 Objektive eigentlich immer dabei. Ohne diese Objektive verlasse ich quasi nicht mal das Haus :-) Diese sind:

Weitwinkel-Zoom: Nikon AF-S 16 – 35 mm 1:4G ED VR
“Normales”-Zoom: Nikon AF-S 24-70 mm 1:2.8G ED
Tele-Zoom: Nikon AF-S 70-200mm 1:2,8G ED VR II

Das wäre quasi die “minimale” Ausrüstung. Warum beim Weitwinkel nicht das viel “professionellere” Nikon AF-S 14-24mm 1:2,8G ED Objektiv? Hier wird’s etwas “off topic”, ihr könnt den Rest vom Absatz getrost überspringen :-) Eigentlich wollte ich ja das Tokina AT-X 16-28mm/f2.8 Pro. Ich hatte 3 unterschiedliche Objektive ausprobiert, bei jedem Objektiv war etwas anderes, vor allem dezentrierte Linsen und div. AF-Probleme. Wobei ich dazu sagen muss, die Nikon D800 ist auch gnadenlos, was Mängel der Optik bei Objektiven betrifft. Die hohe Auflösung bringt schonungslos alles ans Tageslicht. Dann dachte ich, schaust dir halt doch mal das Nikon an. Weil mir die Blende 2.8 doch grundsätzlich sehr wichtig ist, kam zu dem Zeitpunkt das 16-35 mm eigentlich gar nicht in Frage. Das getestete Exemplar vom Nikon AF-S 14-24mm 1:2,8G ED Objektiv um über 1.500,– EUR war dann ebenfalls dezentriert, sprich auf der rechten Seite unscharf, ähnlich dem Tokina AT-X 16-28mm/f2.8 Pro, welches etwa die Hälfte kostet. Resigniert habe ich dann doch das Nikon AF-S 16 – 35 mm 1:4G ED VR ausprobiert. Es ist kleiner, leichter und man kann Filter verwenden. Noch dazu hat es einen Bildstabilisator. Es stärkere Verzeichnungen, als das 14-24, was sich in Lightroom & Co aber leicht beheben lässt und es ist super scharf. Zwischen 14 und 16 mm ist schon ein Unterschied, aber zu wenig um mir wirklich sorgen zu machen und der Bildstabilisator hilft beim Filmen, wie auch die Möglichkeit Filter drauf zu schrauben.

Als “Backup” bzw. für speziellere Einsätze ist dann noch oft folgendes dabei:

Nikon AF Nikkor 24 mm/2,8 D bzw. eigentlich noch das alte manuell AI-S :-)
Sigma 35 mm f/1,4 DG HSM – wohl das schärfste Objektiv, dass ich besitze und selbst bei f/1,4 ist der AF außerordentlich zuverlässig …Sorry Nikon 😉
Nikon AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G – warum nicht das 1.4er? Weil der AF beim 1.8er schneller ist!
Nikon AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,8G – warum nicht das 1.4er? Ebenfalls schnellerer AF, kleiner, leichter und trotzdem super scharf!

Nehm’ ich das alles jetzt im Urlaub mit? Nein, selbstverständlich nicht! Ich seh’ mich auf Reisen nicht zwangsläufig als “Packesel” sondern möchte lieber Erfahrungen machen und Dinge entdecken. Deswegen beschränke ich mich oft auf eine APS-C Kamera mit Tamron SP AF 17-50mm 2,8 Di II VC + Nikon AF-S NIKKOR 85 mm 1:1,8G. Ich hatte auch schon einmal die Variante mit 24 mm f/2.8 + 85 mm f/1.8 für 90% meiner Bilder auf Reisen im Einsatz. Meine “erweiterte” Reiseausrüstung kann aber auch so aussehen, wie beim Chulha Projekt in Laos!

UPDATE Dezember 2016: Meine Reise-Ausrüstung hat sich seither etwas verändert. DX/APS-C Kamera gibt es in meiner Fototasche nun nicht mehr. Wieso? Nikon (wie auch Canon) hat es bis jetzt nicht geschafft vernünftige Objektive zu bauen, die speziell für DX/APS-C Kameras gemacht sind. Abgesehen von einigen Ausnahmen gibt es zwar gefühlte 10 verschiedene Objektive, die von vor allem 18mm beginnend (manchmal 16mm) bis 100mm, 140mm oder gar noch weiter gehen, aber alle Blende 3.5-5.6 haben. Es gibt kaum Festbrennweiten und es gibt keinen Ersatz für das 70-200 f2.8 oder f4 das heißt ich muss sowieso meine FX (Vollformat) Objektive mitnehmen. Die Nikon D750 mit dem Nikon 24-120 f4 ist nicht wesentlich größer und schwerer, als die Kombination aus D7000/D7100/D7200 und dem Tamron 17-50mm. Wenn ich das 85 f1.8 noch dazu rechne, ist die Ausrüstung nicht mehr so lichtstark, aber ich habe in etwa den gleichen Brennweitenbereich. Kurioserweise ist diese Kombination auch nur ca. 300g schwerer, als die spiegellose Sony A7(R) II + ein vergleichbares Objektiv. Wenn ich die 4fache Menge an Batterien für die Sony rechne, ist die Nikon mit Spiegel leichter 😉

Dafür ergänzt nun die Sony RX100 IV die Ausrüstung und zum Glück gibt’s mittlerweile sogar die Sony RX100 V (die RX100 IV war nicht mal 12 Monate am Markt). Wie schwierig die Auswahl der richtigen Ausrüstung sein kann, wurde mir vor einer Reise auf die Lofoten im Sommer bewusst. Ich wollte mit Handgepäck reisen, das heißt kein eigener Fotorucksack. Weitere Infos dazu unter EINE KOMPAKTKAMERA (SONY RX100 IV) – GUT GENUG FÜR EINE REISE AUF DIE LOFOTEN? 

Ist das jetzt die richtige Ausrüstung für jeden? Selbstverständlich …NICHT!!!

 

3. Grundsätzliche Frage vorm Objektivkauf!

3.1. Was will ich fotografieren?
Zuerst sollte man sich im klaren sein, was man vorwiegend fotografiert! Sind es Landschaften, Tiere, Pflanzen, Menschen oder Gebäude? Soll das Objektiv vielleicht einen speziellen Verwendungszweck erfüllen? Zum Beispiel Makro!

3.2. Wie fotografiere ich?
Zoom-Objektiv oder Festbrennweite, will heißen stört mich das ständige Wechseln der Objektive oder will ich die best mögliche Bildqualität mit zusätzlich sehr großen Blendenöffnungen im meist handlicherem Format, als vergleichbare Zoom-Objektive. Fotografiere ich aber vielleicht vorwiegend mit Stativ und die Blende ist sowieso meistens f/8, f/11 oder gar f/16?

3.3. Wie viel Gelde möchte/kann ich ausgeben?
Das Budget spielt natürlich oft eine sehr große Rolle.

3.4. Welche Bildästhetik gefällt mir?
Die Bildästhetik beginnt einerseits sehr oft bei der gewünschten/angestrebten Offenblende und geht oft bis zu sehr abstrakten Kriterien wie das sogenannte Bokeh (das japanische Worte für Unschärfe, sprich die Ästhetik der Unschärfe im Hintergrund). Jedes Objektiv hat quasi eine eigene “Persönlichkeit”, eine besondere Note. Leica ist hier ist diesbezüglich meisterhaft. Mit geübten Augen kann man oft anhand der Bilder erkennen, ob eine Leica verwendet wurde. Diese Ästhetik hat aber oft (vor allem Bei Leica) seinen Preis.

 

4. Objektive, je nach Anwendung:
In den folgenden Absätzen sind einige Objektive und Brennweiten sowie Infos angeführt, die für bestimmte Verwendungen sinnvoll oder “üblich” sind. Auch bei der Wahl vom Objektiv gilt, Fotografie ist KEINE exakte Wissenschaft. Das heißt, wenn man durch ein bestimmtes Stück an Equipment einen gewollten (!!!) Effekt erzielen kann bzw. auch “falsches” Equipment gekonnt einsetzt, ist natürlich alles erlaubt. Es ist hier natürlich auch unmöglich eine vollständige Übersicht an Objektiven anzuführen. Es gibt einfach viel zu viele!

4.1. Portraits/Sport/Street und schlechtes Licht
Für Portraits (auch Street Fotografie) und Sport bzw. wenn man generell Gefahr läuft immer bei schlechtem Licht zu landen (wie ich), ist es oft sehr ratsam lichtstarke Objektive zur Verfügung zu haben. Das sind Objektive mit Blendenöffnungen von f/2.8 oder noch geöffneter (z.B. f/2, f/1.8, f/1,4). Für Portraits machen diese Blendenöffnungen Sinn, um die/den Portraitierte(n) besser “freistellen” zu können, sprich den Hintergrund verschwommen zu machen, um störende Elemente “ausblenden” zu können. Außerdem kann man damit noch eher Bewegungen einfrieren, wenn mal etwas weniger Licht vorhanden ist, was vor allem bei Sportaufnahmen wichtig sein kann. Tendenziell verwendet man in der Portraitfotografie eher längere Brennweiten, (moderate) Weitwinkelobjektive werden eher für Reportagen und Portraits mit Umgebung eingesetzt. Einige Portrait/Modefotografen verwenden auch nur sehr wenige (manchmal nur 2 – 3), ausgewählte Objektive, oft Festbrennweiten. Vor allem diejenigen, die mit Mittelformat-Kameras arbeiten bei denen die Objektive (und die Kamera) oft extrem teuer sind.

Neben der “heiligen Dreifaltigkeit” der Zoomobjektive mit f/2.8 gibt es natürlich alternativ die Möglichkeit mit lichtstarken Festbrennweiten zu arbeiten. Diese Festbrennweiten sind natürlich meist kleiner und leichter und somit auch unauffälliger, wenn dies ein Kriterium ist. Vor allem in Sachen Street Fotografie ist es mir immer wichtig möglichst “unprofessionell” auszusehen. Wer hauptsächlich unauffällig Straßenszenen fotografieren will, sollte sich unter Umständen die spiegellosen Kameras anschauen.

Für die Sportfotografie ist es natürlich unerlässlich ein Objektiv mit mit möglichst schnellem AF zu verwenden. Ob ein Objektiv einen Bildstabilisator besitzt oder nicht, ist bei der Sportfotografie im wesentlichen irrelevant. In der Regel muss man sowieso mit sehr schnellen Verschlusszeiten fotografieren, um Bewegungen einfrieren zu können. Eine sehr offene Blende ist hilft ggf. bei Hallensportarten oder bei Flutlicht! Die Festbrennweiten sind allerdings nicht immer die 1. Wahl für Sport. Für gewöhnlich sind Festbrennweiten dafür gebaut um präzise zu fokussieren (aufgrund der großen Blendenöffnung) und sind nicht zwingend Geschwindigkeitsweltmeister. Die Zoomobjektive mit f/2.8 sind allerdings so ziemlich die Grundausstattung für jeden Sportfotografen. Abhängig von der Sportart macht natürlich ggf. noch eine längere Brennweite Sinn. Vor allem für Feld-Sportarten, wie Fußball, etc., bei denen man in der Regel selbst mit Foto-Akkreditierung recht weit entfernt vom Geschehen ist.

Vielleicht an dieser Stelle auch noch ein kleiner Hinweis zu Objektiven mit sehr großen Blendenöffnungen. Der Schärfenbereich kann bei sehr geöffneter Blende und längeren Brennweiten so dünn wie die Klinge eines Rasiermessers werden. Abweichungen werden umso stärker sichtbar, umso höher die Auflösung der Kamera ist. Wenn ich zum Beispiel mit der D800 und dem 70-200mm f/2.8 bei f/2.8 und am längeren Ende fotografiere, sieht man am Computer den Unterschied, ob die Kamera bei Portraits aufs Auge oder auf die Spitzen der Wimpern fokussiert hat. Somit ist es unerlässlich solche Objektive vor ihrer Verwendung zu kalibrieren bzw. zu justieren. Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit zur AF-Feinjustierung an. Sowohl bei Kameras, als auch Objektiven gibt es Toleranzwerte bei der Produktion. Somit kann es auch vorkommen, dass die Feinjustierung in der Kamera nicht ausreichend ist. Das heißt allerdings weder, dass die Kamera noch das Objektiv eine Fehlfunktion hat. Die kann wie gesagt durch Fertigungstoleranzen auftreten. In einem solchen Fall muss dann die Kamera und das Objektiv zum Service des Kameraherstellers geschickt werden, um das Objektiv zu justieren. In manchen Fällen ist es notwendig alle Kameras & Objektive justieren zu lassen, damit das Equipment untereinander abgestimmt ist.

4.1.1. Optionen für Nikon:
AF-S steht für den schnellen/leisen Autofokusmotor, der im Objektiv eingebaut ist. Es gibt auch Objektive ohne AF-S, hier muss dann ein Motor in der Kamera (ab D7000/D7100 aufwärts) eingebaut sein, um den AF verwenden zu können. VR = Vibration Reduction = Bildstabilisator. ED = Spezialbeschichtung der Linsen (vor allem Frontlinse), die Spiegelungen und (unerwünschte) Lichtreflexe verhindern soll. G-Objektive sind Objektive ohne Blendenring am Objektiv und können bei sehr alten analogen Kameras nicht mehr (sinnvoll) verwendet werden. Das heißt bei den G-Objektiven erfolgt die Steuerung der Blende über die Kamera, was bei 100% der aktuellen Objektive der Fall ist

Die Zoomobjektive mit f/2.8: Nikon AF-S 14-24mm 1:2,8G ED ObjektivNikon AF-S 24-70 mm 1:2.8G EDNikon AF-S 70-200mm 1:2,8G ED VR II …diese Objektive machen vor allem für Vollformat-Kameras (FX) Sinn.

Für APS-C Kameras sind wahrscheinlich folgende Objektive sinnvoller: Tokina 11-16mm f/2.8Tamron 17-50 f/2.8 oder Sigma 17-50 f/2.8 und Nikon AF-S 70-200mm 1:2,8G ED VR II. Als Alternative zum 70-200 von Nikon gäbe es dann noch das Sigma 50-150 f/2.8, wer “Angst” hat vor der Lücke zwischen 50-70mm, die ich persönlich nicht schlimm finde.

Ein recht speziellen Objektiv für DX/APS-C Kameras wäre noch das Sigma 18-35 f/1.8. Es ist das einzige Zoom Objektiv am Markt mit Blende 1.8 und erlaubt letztendlich auf DX/APS-C Kameras auch als einziges Zoom Objektiv eine Blendenöffnung, die mit f/2.8 auf Vollformat vergleichbar ist. Mir persönlich wäre wahrscheinlich 35mm am langen Ende zu kurz. Viele verwenden dieses Objektiv auch zum Filmen.

Festbrennweiten 20mm f/2.8 oder f/1.8 | 24mm f/2.8 oder f/1.4 | 28mm f/1.8 | 35mm f/1.8 oder f/1.4 von Nikon oder Sigma bzw. 35mm f/1.8 für DX/APS-C)| 50mm f/1.8 oder f/1.4 von Nikon oder Sigma | 85mm f/1.8 oder f/1.4 von Nikon oder Sigma | 105mm f/2.8 Makro oder f/2 DC | 135mm f/2 DC | Sigma 150mm f/2.8 Makro. Vor allem die 85mm Objektive und 105mm bzw. 135mm DC Objektive mit f/2 von Nikon sind sehr klassische Portraitobjektive und im Falle der DC Objektive (DC steht für Defocus Control und ist dafür gedacht das Bokeh steuern zu können) speziell für Portraits gebaut.

4.1.2. Optionen für Canon:
Vielleicht hier ein paar Begriffe zu Canon-Objektiven. Es gibt die sogenannten L-Objektive (mit rotem Ring). Das ist die professionelle Objektivpalette, die besser gegen Umwelteinflüsse wie Staub und Wasser geschützt ist. USM = Ultraschallmotor für den Autofokus und STM = Steppingmotor, ein AF-Motor, der speziell zum Filmen (weiter) entwickelt wurde. IS = Image Stabalizer = Bildstabilisator. Die Pancake Objektive (zu deutsch “Pfannkuchen”) sind sehr dünne/schmale Objektive, die theoretisch in die Hosentasche passen würden, wäre keine 5D MK III oder 1Dx am Objektiv 😉

Die Zoomobjektive mit f/2.8: Canon EF 16-35mm 1:2,8L II USMCanon EF 24-70mm f/2.8L II USMCanon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM …diese Objektive machen vor allem für Vollformat-Kameras Sinn.

Für APS-C Kameras sind wahrscheinlich folgende Objektive sinnvoller: Tokina 11-16mm f/2.8Tamron 17-50 f/2.8 oder Sigma 17-50 f/2.8 und Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM. Als Alternative zum 70-200 von Nikon gäbe es dann noch das Sigma 50-150 f/2.8, wer “Angst” hat vor der Lücke zwischen 50-70mm, die ich persönlich nicht schlimm finde.

Ein recht speziellen Objektiv für DX/APS-C Kameras wäre noch das Sigma 18-35 f/1.8. Es ist das einzige Zoom Objektiv am Markt mit Blende 1.8 und erlaubt letztendlich auf DX/APS-C Kameras auch als einziges Zoom Objektiv eine Blendenöffnung, die mit f/2.8 auf Vollformat vergleichbar ist. Mir persönlich wäre wahrscheinlich 35mm am langen Ende zu kurz. Viele verwenden dieses Objektiv auch zum Filmen.

Festbrennweiten 22mm 1:2 STM Pancake | 24mm f/2.8f/2,8 STM Pancake oder f/1,4 | 28mm f/2.8 oder f/1,8 | 35mm f/2 oder f/1.4 von Canon oder Sigma | 40mm f/2,8 STM Pancake | 50mm f/1.8, f/1.4 von Canon oder Sigma oder das f/1.2 | 85mm f/1.8Sigma f/1.4 und das 85mm f/1.2, die “Königin der 85er | 100mm f/2.8 Makro bzw. f/2.8 L Makro | 135mm f/2 ist ein erstklassiges Objektiv, auf dass ich am meisten neidisch bin in der Canon-Gemeinde. Nikon, baut bitte so was ;-)| Sigma 150mm f/2.8 Makro Vor allem die 85mm Objektive und 135mm Canon-Objektive sind sehr klassische Portraitobjektive. Die 100mm Makros sind eher spezialisierte Makro-Objektive, können aber natürlich auch für Portraits verwendet werden.

4.1.3. sonstige Kameras/Systeme für Portrait/People/Street Fotografie
Gerade für die Portrait/People/Street Fotografie bewähren sich meines Erachtens die spiegellosen Fuji-Kameras mit der X-E2 und der X-T1 sehr gut. Vor allem gibt es neben einem sehr guten “Kit-Objektiv”, dem 18-55 f/2.8-4 auch ausgezeichnete Festbrennweiten, wie das 23mm f/1.4, 35mm f/1.4 und das 56mm f/1.2. Gut, auch Olympus und Panasonic sind dafür sicher recht gut ausgestattet. Ich war aufgrund vom relativ kleinen Sensor des m4/3 System allerdings noch nie von diesen beiden Kameras wahnsinnig begeistert. Leider fehlen den spiegellosen Sony Vollformat-Kameras A7 (r/s) noch zu viele Objektive, sind aber für “Technik-Nerds”, die mit Adapter wie denen von Metabones oder Novoflex auch Objektive von Canon, Nikon oder Leica auf den Kameras verwenden sicher super.

4.2. Natur & Landschaft
In der Natur und Landschaftsfotografie ist die Offenblende meistens nebensächlich. Gerade bei Landschaften ist man ohnehin oft zwischen Blende f/8 und f/11 (manchmal vielleicht sogar f/16). Oft muss man die Ausrüstung weit tragen und tauscht somit gerne mehrere 100g an Gewicht gegen eine Blendenstufe Licht. Ideal sind hier sicher die Objektive mit durchgehender Offenblende f/4, aber durchaus auch Objektive mit variabler Blende von f/3.5 – 5.6, die vom Gewicht her vor allem bei längeren Brennweiten interessant sein können. Natürlich sind aber auch hier Fotografen leidensfähig genug, um 10kg oder mehr in die Berge zu schleppen, weil die f/2.8er Objektive doch mit mussten :-)

Einige Landschaftsfotografen haben sich auch dafür entschieden mit APS-C/DX Kameras mit Crop-Faktor zu fotografieren, um aufgrund der Sensorgröße eine längere Brennweite (meist um 1,5fach) zu haben. Manche sind diesbezüglich auch auf m4/3 von Olympus/Panasonic umgestiegen, um noch kleinere, leichtere Objektive zu haben und einen Crop-Faktor von 2. Naturfotografie kann vom Equipment her sehr aufwändig werden, je nachdem, was man im Gepäck hat. Oftmals sind vor allem die extremeren Weitwinkelobjektive und extremere Teleobjektive für Natur & Landschaftsfotografen viel interessanter, als moderate Brennweiten zwischen zum Beispiel 24-70mm, die für zum Beispiel Hochzeitsfotografen oft die Butter aufs Brot sind. Eine gute Grundausstattung hierfür wären sicher Brennweiten, angefangen mit 14 – 16mm bis hin zu 300 – 400mm bei einer Vollformat-Kamera (FX) oder 10 – 12mm bis ebenfalls etwa 300mm bei APS-C/DX Kameras. Ein “Loch” zwischen 24-70mm bzw. 18-50mm (APS-C/DX) ist wahrscheinlich zu verkraften und ggf. mit einem leichten 50mm oder 35mm (APS-C/DX) Objektiv als Zusatz zu überbrücken. Zusätzlich dazu können dann noch div. Makro-Objektive interessant werden (für Nahaufnahmen von Pflanzen oder kleinen Tieren), Brennweiten bis zu 600mm oder gar 800mm für sehr scheu Bewohner unseres Planeten. Wer Brennweiten jenseits der 300mm haben möchte, muss allerdings oft recht tief in die Geldbörse greifen und bereit sein viel zu schleppen. Weiters finden in der Landschaftsfotografie sogar sogenannte Tilt/Shift Objektive Verwendung, die oft in der Architekturfotografie eingesetzt werden. Außerdem haben Landschaftsfotografen meistens eine ausgiebige Auswahl an Filtern und selbstverständlich ein stabiles Stativ dabei!

Nikon: Nikon AF-S 16 – 35 mm 1:4G ED VR, Nikon 24-120mm f/4, Nikon 70-200mm f/4, Nikon 80-400mm, Sigma 150-500, uvm.
Canon: Canon 16-35mm 1:4Canon 17-40mm 1:4, Canon 24-105 f/4, Canon 70-200 f/4, Canon 100-400mm, Sigma 150-500, uvm.

4.3. Architekturfotografie
Für die Architekturfotografie gilt sicher vieles, was auch für die Landschaftsfotografie gilt. Nur ist hier sicher eine Vollformat-Kamera von Vorteil, da es gerade bei Super-Weitwinkelobjektive eine vielfältigere Auswahl gibt. Gerade diese Objektive sind für die Architekturfotografie, vor allem von Innenräumen unerlässlich! Wichtig sind hier auch Objektive, die möglichst geringe optische Verzeichnungen aufweisen, um keine “Verbogenen” Wände zu haben. Manches lässt sich sicher per Software im Nachhinein korrigieren, aber auch hier gilt, je besser das Ausgangsmaterial, desto besser das Endergebnis. Vor allem die sogenannten Tilt-/Shift-Objektive finden in der Architekturfotografie oft Verwendung, um sogenannte stürzende Linien in der Perspektive vermeiden/vermindern zu können. Architekturfotografie, vor allem von Innenräumen erfordert auch oft ein hohes Maß an Erfahrung in der Nachbearbeitung, was gerne übersehen wird. Um einen möglichst natürlichen Eindruck muss hier auch oft mit der sogenannten HDR-Technik gearbeitet werden vor allem, wenn man nicht stundenlang Zeit hat um zusätzliches Licht aufzubauen. Auch finden hier ggf. Filter, wie zum Beispiel ein Polfilter häufig Verwendung. Selbstverständlich auch ein stabiles Stativ :-)

Für Vollformat/FX: Canon EF 16-35mm 1:2,8L II USMCanon 16-35mm 1:4Canon 17-40mm 1:4Nikon AF-S 14-24mm 1:2,8G ED Objektiv, Nikon AF-S 16 – 35 mm 1:4G ED VR, Tokina AT-X 16-28mm/f2.8 Pro für Canon/Nikon
Für APS-C/DX:  Tokina 11-16mm f/2.8 für Canon/Nikon

Die Speziellen Tilt-/Shift-Objektive, um stürzende Linien schon bei der Aufnahme korrigieren zu können sind bei Nikon mit PC-E (das PC steht für Perspective Control) und bei Canon mit TS-E (TS für Tilt/Shift).

 

5. 50mm Objektiv
Ich weiß, jeder, der den Wunsch äußert sein erstes “vernünftiges” bzw. lichtstarkes Objektiv kaufen zu wollen bekommt unweigerlich von allen Seiten den Rat “Kauf’ dir ein 50mm Objektiv!” Diesem Rat stimme ich grundsätzlich nicht zu. Auf einer Vollformat-Kamera ist ein 50mm Objektiv sicher keine schlechte Wahl, wenn man zum Beispiel Street Fotografie betreiben möchte. Wobei man auch hier ggf. überlegen sollte, ob nicht ein 35mm Objektiv geeigneter wäre, weil es die Möglichkeit bietet etwas mehr von der Umgebung einzufangen, wenn man das will. Außerdem zwingt es dazu nahe am Geschehen zu sein :-) Auf einer APS-C Kamera finde ich 50mm allerdings nicht sehr optimal. Das war für mich immer eine etwas eigenartige Brennweite. Umgerechnet entspricht das in etwa 75mm auf einer Vollformat-Kamera. Es ist für mich immer zu viel Tele um es gut für Street Fotografie einsetzen zu können und zu wenig Tele um den Bildeffekt bei Portraits zu mögen. Manchen werden es aber unter Umständen trotzdem mögen. Bevor ihr euch eines kauft, stellt auf eurem Zoom-Objektiv 50mm ein und versucht, ob euch die Brennweite liegt oder nicht. Auf der Vollformat-Kamera weiß man bei 50mm schon intuitiv sehr genau, wie das Bild aussehen könnte bevor man durch den Sucher schaut, weil es sehr der eigenen Wahrnehmung entspricht. Auf APS-C ist es wie gesagt zumindest für mich meistens zu wenig Tele und zu lange um als “Normalbrennweite” benutzt zu werden. Nikon hat dafür zum Beispiel das Nikon AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8G gebaut, um auch APS-C Kameras ein “Normalobjektiv” bieten zu können. Von Canon gibt’s zum Beispiel das Canon EF 35mm Objektiv 1:2 IS USM.

5.1. 50mm Optionen für Nikon:
Nikon AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G
Nikon AF-S Nikkor 50mm 1:1,4G
Sigma 50mm F1,4 DG HSM für Nikon

5.2. 50mm Optionen für Canon:
Canon EF 50mm 1:1.8 II
Canon EF 50mm 1:1,4 USM
Canon EF 50mm/1:1,2 L USM
Sigma 50mm F1,4 DG HSM für Canon

 

6. Makro-Objektive
Makro-Objektive sind spezielle Objektive, die eine starke Vergrößerung von kleinen Objekten erlauben. Der Unterschied zu “normalen” Objektiven ist, dass man mit Makros näher an das Motiv ran gehen kann ohne das Problem zu haben nicht mehr scharf stellen zu können. Ein ernstzunehmendes Makro-Objektiv erlaubt eine Vergrößerung von 1:1. Das heißt, dass das Motiv am Sensor gleich groß ist, wie in Wirklichkeit. Wer noch stärker vergrößern muss, muss mit Zwischenringen, Balgen oder sonstigen Hilfsmitteln bis hin zu Mikroskopen arbeiten. Das Makro-Objektiv von Sigma mit 150mm erlaubt zum Beispiel den gleichen Abbildungsmaßstab von 1:1, wie sehr klassische Makro-Objektive, wie die 100mm Makros von Canon bzw. 105mm Makro (Micro) von Nikon. Die 150 mm erlauben allerdings den “Luxus” des größeren Abstands zum Objekt. Das ist vor allem bei scheuen Motiven, wie Insekten oft ein Vorteil. Daher sind aus meiner Sicht Makroobjektive mit 100mm oder 150mm sicher jenen mit 40mm oder 60mm vorzuziehen. Von Nikon gab es einmal ein sehr legendäres 70-180mm Makro-Objektiv, welches leider nicht mehr gebaut wird, bei eBay & Co aber immer noch Höchstpreise erzielt.

Nikon 85mm f/3.5 Micro Nikkor für DX, Canon 100mm f/2.8 Makro bzw. f/2.8 L Makro, Nikon 105mm f/2.8 Micro Nikkor, Tokina 100mm Makro für Canon/Nikon, Sigma 150mm f/2.8 Makro für Canon/Nikon, Nikon 200mm f/4 Micro Nikkor

 

7. Zoom oder Festbrennweiten?
Zoom-Objektive sind meistens praktischer, Festbrennweiten oft kleiner, leichter und lichtstärker bzw. können optisch auch besser sein, weil sie auf eine Brennweite optimiert sind. Ob man nun Festbrennweiten oder Zoomobjektive bevorzugt ist auch abhängig von der persönlichen Vorliebe. Wen es stört ständig das Objektiv wechseln zu müssen bzw. gerne zwischen nah und fern Zoomt, wird mit Festbrennweiten eher nicht glücklich werden. Wer besonders Lichtstarke Objektive verwenden möchte und sich nicht davor scheut sich mehr selbst zu bewegen als den Zoomring (was man einerseits sowieso tun sollte aber natürlich nicht immer möglich ist) wird gerne mit Festbrennweiten arbeiten. Ob die Festbrennweite 1.8, 1.4 oder 1.2 hat, ist einerseits abhängig vom Budget und sonstigen Anforderungen. Der Unterschied zwischen f/2.8 und f/1.8 kann etwas ausmachen, der Unterschied zwischen f/1.8 und f/1.4 ist in der Praxis nicht wahnsinnig nennenswert. Viele 1.4er Objektive sind bei f/1.4 oft nicht so scharf, wie man es gerne hätte und man wird sowieso im Bereich von Blende f/2 bleiben. Auch weil die Schärfentiefe beim f/1.4, vor allem auf einer Vollformatkamera, wirklich extrem “dünn” wird. Siehe hier auch noch einmal “Budget & Ästhetik”!

 

8. Budget und Ästhetik!
Bei Canon gibt es zum Beispiel 3 unterschiedliche 50mm Objektive, die zwar unterschiedliche Blendenöffnungen haben, aber vor allem Preislich durch Welten getrennt sind! Canon EF 50mm 1:1.8 II für nicht mal 90,– EUR, Canon EF 50mm 1:1,4 USM für knappe 300,– EUR und Canon EF 50mm/1:1,2 L USM für schlappe 1.300,– EUR!!! 1.000,– EUR “Aufpreis” für 2/3 Blendenstufen klingt ziemlich viel, aber auch hier trifft meist zu “You get, what you pay for!”. Die Spezifikationen (Zahlenwerte) eines Objektivs heißen nämlich oft rein gar nichts. Der größte Unterschied bei diesen Objektiven liegt sicher in der Ästhetik, die oft nicht/kaum in Worte zu fassen ist! Dies hängt dann auch sehr oft mit dem Bokeh zusammen. Das 50 mm f/1.8 greift sich billig an und die Unschärfe im Hintergrund ist eher hart und “ungehobelt”. Beim 50 mm f/1.2 weiß man schon anhand vom Gewicht und der Größe, dass man einiges an Glas für sein Geld bekommen hat und das Bokeh sieht absolut butterweich und anschmiegsam aus.

Die Fülle an Objektiven nimmt hier allerdings noch kein Ende! Neben den Objektiven der Kamerahersteller gibt es auch Objektive von Drittanbietern, wie Sigma, Tamron, Tokina oder die “Edelmarke” Zeiss. Man kann Objektive oft nur durch Ausprobieren oder über Testberichte “vergleichen”. Kein Zettel mit Zahlen kann einem hier wirklich helfen.

 

9. “Superzooms”
Vor allem von den sogenannten Superzoom-Objektiven, die einen sehr großen Brennweitenbereich haben, sollte man sich oft keine zu atemberaubende Bildästhetik erwarten. Diese Objektive haben oft Brennweiten zwischen 28-300mm (Vollformat/FX) bzw. 18-200mm oder gar 18-300mm auf APS-C/DX. Hier kann es einfach nur einen Kompromiss der div. Faktoren geben. Praktisch sind diese Objektive, keine Frage und man ist quasi immer für alle Situationen gerüstet. Man muss sich hier aber selbst überlegen, wie man gerne fotografiert. Schätzt man die bequeme Art und Weise nach Belieben hin und her zoomen zu können oder will/braucht man Objektive mit großen Blendenöffnungen und bestmöglicher Bildqualität. Gerade diese “Superzooms” haben vor allem variable Blenden mit f/3.5-5.6 im besten Fall oder f/3.5-6.3 im schlechtesten Fall. Gerade bei Blende 6.3 sind manche Einsteiger-Kameras schwer an der Grenze, was den AF betrifft. Diese Kameras können oft nur mit Objektiven, die eine Offenblende von max. f/5.6 haben ordentlich fokussieren. Somit ist der Fokus bei diesen Objektiven meist langsamer und weniger präzise!

 

10. “Originalobjektive” oder Objektive von Drittanbietern?
Auch diese Frage ist nicht einfach zu beantworten! Grundsätzlich empfehle ich immer eher die Objektive vom Hersteller der Kamera zu verwenden. Es gibt aber auch sehr gute Objektive von Herstellern wie Sigma, Tamron oder Tokina.

Von Sigma gibt es zum Beispiel die ausgezeichnete Art-Serie, die relativ neu ist. Einziger Nachteil ggf. gegenüber den Nikon/Canon Objektiven ist jener, dass Nikon/Canon (angeblich) die Objektive besser gegen Umwelteinflüsse, wie Staub und Feuchtigkeit schützt. Mein Sigma 50mm F1,4 DG HSM ist allerdings extrem scharf, hat ein sehr schönes Bokeh und greift sich äußerst solide an.

Von Tamron gibt es zum Beispiel ein sehr gutes 24-70mm F/2,8 Objektiv für Nikon und Canon und hat sogar einen Bildstabilisator, was weder Nikon noch Canon hat. Es soll auf alle Fälle schärfer sein, als das Nikon 24-70mm f/2,8, was sicher kein herausragendes Objektiv ist, aus eigener Erfahrung. Mit dem Canon 24-70mm f/2,8 kann es nicht mithalten, weil Canon hier ein hervorragendes Objektiv anbietet (ich spreche von der neuen Version II, das 1er von Canon ist angeblich nicht sehr scharf). Das Tamron kostet aber auch weniger als die Hälfte vom Canon und leistet wahrscheinlich 90% davon. Auch mein Tamron 17-50 f/2.8 (für APS-C) ist optisch sicher dem Nikon 24-70mm f/2,8 ebenbürtig, nur der AF ist langsamer. Die Verarbeitung ist allerdings mit dem Nikon nicht vergleichbar. Das Tamron 17-50 f/2.8 gibt es natürlich auch für Canon oder andere Hersteller.

Tokina hat ein sehr gutes Weitwinkel mit 11-16mm f/2.8 für APS-C Kameras von Canon, Nikon und natürlich auch anderen Herstellern, sowie ein recht gutes 100mm Makro Objektiv (Canon/Nikon). Tokina ist in Europa nur etwas mit Vorsicht zu genießen, da es keinen vernünftigen Support gibt, sollte mal etwas nicht funktionieren.

Von den oben genannten Herstellern gibt es noch weitere hervorragende Objektive, allerdings auch viel nicht so tolle. Vor allem mit den günstigen “Einsteigerobjektiven” tut man sich meistens nichts gutes. Man muss hier aber eben von Fall zu Fall entscheiden, abhängig vom Budget und dem geplanten Einsatz. Hilfreich können hier div. Testberichte im Internet sein. Der beste Test ist selbstverständlich, wenn man das Objektiv einmal wirklich unter “realen” Bedingungen ausprobieren kann.

Nicht zuletzt seien auch die absolut zeitlosen Klassiker von Carl Zeiss erwähnt. Gerade Zeiss ist allerdings eher eine “Nische”. Die Objektive sind optisch wohl so ziemlich das Beste, was man kaufen kann und zeichnen sich oft durch eine wunderschöne Ästhetik aus, sind aber recht teuer und haben keinen AF. Geschlagen in Qualität und Ästhetik (wie auch im Preis) werden diese Objektive wohl nur noch von Leica. Leica baut aber keine Objektive für Canon, Nikon oder Sony. Will man Leica Objektive verwenden, muss man sich entweder eine Leica M leisten oder die Objektive ggf. noch mit Hilfe von Adaptern an div. spiegellosen Kameras von zum Beispiel Fuji (X-E2 oder X-T1) oder Sony (A7 II, A7r, A7s) verwenden. Meine grundsätzliche Erfahrung mit der Leica M und deren Objektive findet ihr hier.

 

11. Welches Objektiv soll ich mir jetzt kaufen?
Die Verwendung von unterschiedlichen Objektiven ist nicht immer so einfach, wie es scheint. Meistens erfordert es viel Wissen und Erfahrung speziellere Objektive gezielt einsetzen zu können. Dies betrifft einerseits technische Aspekte, die Nikon sogar beim erscheinen der D800/D800E in einen eigenen Technical Guide zusammengefasst hat, weil die hohe Auflösung von 36 MPixel hoch qualitative Optiken und eine sehr gute Shooting-Disziplin erfordert, um wirklich die Qualität und den Detailreichtum der Kamera nutzen zu können. Viele Dinge auf die im Nikon-Guide hingewiesen wird, lernt man übrigens auch in unserem Grundlagenkurs :-)

Was den meisten angehenden Fotografinnen und Fotografen nicht klar ist, ist die Tatsache, dass man sich bevor man die 1. Kamera kauft überlegen soll welche Objektive man gerne verwenden möchte und ob es diese vom besagten Hersteller überhaupt gibt. Man kauft nie “nur eine Kamera”, man kauft ein System und je mehr Objektive man besitzt umso schwerer (bzw. teurer) wird ein Systemwechsel bei dem man oft viel Geld verlieren kann. Das Problem ist, wenn man noch nie eine Kamera hatte und auch absolut keine Ahnung hat, was das alles bedeutet, weiß man leider auch nicht, was man will.

Wer schon eine Kamera hat, soll erstmal für ein paar Monate mit dem vorhandenen Equipment arbeiten und erst wenn man an unüberindbare Grenzen stoßt an neues Equipment denken. Sicher ist es auch vernünftiger in gute Objektive zu investieren als immer in das neueste Kameramodell. Wie gesagt, die aktuellen Kameramodelle sind allesamt viel besser, als es die meisten brauchen werden. Darum noch einmal zur Lieben Erinnerung eine bewährte Vorgehensweise, wenn man schon eine Kamera hat und der Wunsch nach neuem Equipment aufkommt. Siehe dazu auch noch einmal unter Punkt 1.

1. Kann ich meine Technik/Schooting-Disziplin verbessern ?
2. Verwende ich eines stabilen Stativ?
3. Hat das nichts geholfen, können wir uns über ein Objektiv Gedanken machen.
4. War alles Erfolglos, käme die Kamera an die Reihe. Wer hier bei Punkt 4 angekommen ist, eine neue Kamera hat und immer noch nicht zufrieden ist, sollte sich noch einmal Punk 1 durchlesen :-)

Wer hoch wissenschaftlich Objektive vergleichen möchte, kann sich einmal die Seite von DxOMark anschauen. Aber wie gesagt, es gibt sehr viele Bereiche in der Fotografie, die einfach nicht oder nur bedingt messbar sind. Auch ist es manchmal völlig egal, ob ein Objektiv schärfer in den Ecken ist, als ein anderes, wenn aber das andere eine viel angenehmere Ästhetik besitzt.

Wer im Text nicht alle Fachbegriffe verstanden hat oder sich generell für Fotografie interessiert, kann gerne mal bei FOTOKURSE TIROL & SALZBURG vorbei schauen!

[– Wenn euch dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über Kommentare auf meiner Facebook-Seite oder der Facebook-Seite von FOTOKURSE TIROL. Habe ich euch nun motiviert ein neues Objektiv zu kaufen und ihr habt diesen Artikel hilfreich gefunden, so würde ich mich freuen, wenn ihr das Objektiv über einen der oben angeführten Links kauft. Damit helft ihr auch in Zukunft mehr solcher Artikel zu schreiben! –]

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