Harald Voglhuber | Photographer & Filmmaker

Werbefotografie & Werbefilme | Innsbruck, Tirol, Wien, Salzburg, Steiermark

Die perfekte Kamera?

Gerade bei unseren Fotokursen in Tirol & Salzburg ist das Thema Equipmentkauf ein großes Thema.  Vor allem taucht auch immer wieder die Frage auf “Welche Kamera soll ich mir kaufen?”

Disclaimer
Der nachfolgende Text enthält meine oft sehr persönliche Meinung. Ich habe nicht alle diese Kameras ausgiebigst getestet, aber bei geschätzt über 500 Teilnehmern bei den Fotokursen in den letzten Jahren, hatte ich so manche Kamera in der Hand und habe auch gesehen ob die Bedienung selbst für Anfänger einfach war oder selbst für mich mit sehr viel Erfahrung mit unterschiedlichstem Equipment oft kompliziert oder nervig war. Ich habe auch schon viele Bilder von div. Kameras gesehen, um mir ein Bild von der Bildqualität der Kameras bzw. verwendeten Objektive im Vergleich zu meinem eigenen Equipment machen zu können. Ich möchte an dieser Stelle aber erwähnen, dass man immer mit einer Kamera arbeiten soll, bevor man sich eine endgültige Meinung darüber bildet, ein Datenblatt sagt nichts über eine Kamera aus, sie muss für einem selbst das geeignete Werkzeug sein, welches dem eigenen fotografischen Stil unterstützt. Für manche ist es ein iPhone, für manche eine PhaseOne oder Hasselblad Mittelformat-Kamera. Ich wollte hier vorwiegend Tipps für ambitionierte Einsteiger geben, um sich nicht in einem halben Jahr darüber zu ärgern die falsche Kamera zu haben, weil sie darüber hinaus gewachsen sind.

Was ist zu beachten?
Erstens muss man sich klar sein, man entscheidet sich nicht blos für eine Kamera, sondern für ein ganzes System. Dazu sollte man sich vergewissern, dass auch die richtigen Objektive für den geplanten Verwendungszweck verfügbar sind. Leider weiß man das zu Beginn leider oft nicht! Aber bleiben wir vorerst bei den Kameras.

Sensorgrößen
Die wichtigste Entscheidung zu Beginn, ist die Sensorgröße und gar nicht mal, ob es jetzt eine digitale Spiegelreflex-Kamera (DSLR) sein soll oder doch lieber eine spiegellose Kamera. Im wesentlichen unterscheiden wir 3 unterschiedliche Sensorgrößen:

– Vollformat = der Sensor hat die gleiche Größe, wie früher 1 Negativ/Dia auf einem Filmstreifen
– APS-C = der Sensor ist halb so groß, wie das Vollformat mit Objektiv-Verlängerungsfaktor 1,5 (1,6 bei Canon)
– (micro) Four Thirds (in weiterer Folge m4/3 genannt) = der Sensor ist 1/4 der Größe vom Vollformat mit Objektiv-Verlängerungsfaktor 2 und hat ein für mich etwas eigenartiges Seitenverhältnis von 4:3 …das entspricht den alten Fernsehen. Olympus & Panasonic dachten sich anno dazumal, dass man sich zukünftig (digitale) Bilder nur noch am Fernseher anschauen wird. So kann man sich irren keiner (kaum jemand) macht das und außerdem sind mittlerweile alle Fernseher 16:9 :o)

Es gibt dann noch bei Nikon das sogenannte CX-Format, welches auch Sony zum Beispiel in der RX100-Serie verwendet mit Verlängerungsfaktor 2,7 (ist somit noch kleiner als m4/3 und die “klassischen” Kompaktkameras, bei denen der Sensor in etwa so groß ist, wie der Fingernagel vom kleinen Finger (wenn man Glück hat). Bei Kompaktkameras kann man das aber gar nicht mehr pauschalieren. Es werden mittlerweile so ziemlich alle Sensorgrößen verwendet, von Sony gibt’s sogar eine kompakte Vollformatkamera, die RX1, die kostet aber auch dementsprechend um die 2.500,– EUR :-) Beschränken wir uns hier aber einmal auf Kameras bei denen man das Objektiv auswechseln kann.

Wer ein amüsantes Video zum Thema Sensorgröße sehe will, kann sich diesen Film von Zack Arias anschauen!

Ich stimme ihm nur bedingt zu. Die div. Sensorgrößen haben trotzdem gewisse Vor- und Nachteile, weil eben ein Vollformat-Sensor 4x so groß ist, wie ein m4/3-Sensor.

Auch beim gleichen Hersteller sollte man sich vorher überlegen, ob man irgendwann einen Vollformat-Sensor braucht/haben will oder nicht. Man kann zwar Vollformat-Objektive immer auf APS-C Kameras verwenden, APS-C Objektive (Nikon DX) können bei Canon zum Beispiel gar nicht verwendet werden auf Vollformat-Kameras, bei Nikon erkennt die Kamera automatisch das Objektiv und man kann mit dementsprechend geringerer Auflösung trotzdem fotografieren, wenn auch nicht gut!

ISO & Bildrauschen
Vollformat-Sensoren haben grundsätzlich den großen Vorteil, sie sind sehr gut im schlechten Licht und sie bieten hervorragend die Möglichkeit Objekte oder Personen mit offener Blende “freizustellen” (unscharfer Hintergrund). Dafür sind die Kameras + Objektive meist relativ schwer und recht teuer!

m4/3 hat den Vorteil, dass die Kameras und Objektive sehr kompakt sein, allerdings auch nicht immer wahnsinnig preiswerter. Durch den kleinen Sensor ist aber immer ein viel größerer Bereich scharf, als bei einem Vollformat-Sensor oder APS-C Sensor. Es kann aber auch je nach Anwendung ein Vorteil sein. Aufgrund der Größe gibt es im höheren ISO-Bereich auch erheblich mehr Bildrauschen.

APS-C bietet ein wenig das Beste aus beiden Welten. In Hollywood ist dies das klassische Super 35 Format, der Hintergrund lässt sich noch gut freistellen und das Rauschverhalten ist im Mittelmaß.

Schärfentiefe:
Vielleicht ein kurzer Vergleich. Es gibt sowohl für Vollformat, APS-C und m4/3 Zoom-Objektive mit durchgehend Blende 2.8 Die Bildwirkung ist aber sehr unterschiedlich. Beurteilt man rein die Schärfentiefe gilt in etwa folgendes:

Objektiv f/2.8 auf Vollformat entspricht f/4 auf APS-C und f/5.6 auf m4/3 …wie gesagt, das kann ein Vor- oder Nachteil sein! Für mich ist diesbezüglich m4/3 ein Nachteil, weil ich gerne den Hintergrund freistelle. Das heißt ein equivalentes Objektiv für m4/3 müsste eigentlich durchgehend Blende f/1.4 haben, was es nicht gibt. Freilich gibt es einige Festbrennweiten, die sich bis f/0,95 öffnen lassen!

Bildrauschen und der Sensorgröße
Vielleicht noch ein paar Worte zum Bildrauschen und der Sensorgröße. Ich habe vor kurzem ein Bild, welches mit der Nikon D800 und ISO 12800 aufgenommen wurde auf ca. 30×40 gedruckt. Was soll ich sagen, es war erstaunlich gut für diese hohe ISO! In der Regel fotografiere ich mittlerweile bedenkenlos bis ca. ISO 3200 mit der D800 (im RAW-Format natürlich) ISO 6400 sind auch noch OK, in seltenen Fällen funktioniert auch noch ISO 12800! Mit einer APS-C Kamera würde ich sagen ist irgendwo ist irgendwo um ISO 3200 der Punkt erreicht, den ich bei ISO 6400 auf der Vollformat-Kamera habe. Für m4/3 gilt dies für etwas ISO 1600. Ich will das nicht zu pauschal sagen, weil es sehr individuell vom Kameramodell/Kamerahersteller abhängt und vor allem auch von der Druckgröße. Wer nur auf 10×15 druckt, wird kaum einen Unterschied feststellen! Generell, wer ständig im schlechten Licht endet, wie ich (sollte mir das zu denken geben?) lernt einen größeren Sensor zu schätzen.

Das Bildrauschen, die Sensorgröße und die Blende
Der folgende Absatz betrifft vor allem Leute wie mich, die oft mit offener Blende und/oder hoher ISO fotografieren. Wer am Stativ Landschaften mit ISO 100 und Blende 8 fotografiert, wird das eher nicht interessieren!

Das grundsätzliche Problem ist, es gibt keine/kaum eqivalente Zoom Objektive mit vergleichsweise Blende 2.8 auf Vollformat für APS-C und m4/3. Ja, ich weiß es gibt sowohl für APS-C, wie auch m4/3 Zoom-Objektive mit f/2.8. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, weil wir bereits gelernt haben, dass die Bildwirkung (Schärfentiefe) abhängig von der Sensorgröße sehr unterschiedlich ist. Auf APS-C entspricht die Blende 2.8 von der Bildwirkung eher Blende 4 und auf m4/3 Blende 5.6. Gäbe es eqivalente Objektive, so wäre die Sensorgröße schlichtweg irrelevant. Genau da liegt aber das Problem. Das einzige Objektiv das einem klassischen 24-70mm f/2.8 auf Vollformat von zum Beispiel Nikon oder Canon am nächsten kommt, ist das Sigma 18-35 f/1.8 für APS-C, was einem Vollformat-Objektiv von etwa 27-52,5 f/2.5 entspricht. Auf m4/3 wäre hingegen ein 12-35 f/1.4 ideal, was es nicht gibt. Einzige Alternative um das Problem zu umgehen sind sehr lichtstarke Festbrennweiten.

Warum wär dann die Sensorgröße irrelevant? Wir haben einerseits die gleiche Schärfentiefe und andererseits vergleichbares Bildrauschen aufgrund unterschiedlicher ISO-Einstellungen.

Vollformat mit Blende f/2.8 und ISO 3200
APS-C mit Blende f/2 und ISO 1600
m4/3 mit Blende f/1.4 und ISO 800

Ich weiß, das klingt kompliziert und ich weiß, nicht jeder der das liest hat das nötige Vorwissen, um diese Zusammenhänge zu verstehen. Ich dachte aber es könnte für diejenigen innnteressant sein, die mit Zeit + Blende (und deren Bildwirkung) + ISO der vertraut sind.

Bildwinkel/Brennweite
Dann wäre noch der Bildwinkel (bzw. Verlängerungsfaktor). Ein 24mm Weitwinkel (Vollformat) ist auf APS-C ein ca. 35mm Objektiv …zum Beispiel für Street-Photographie. Auf m4/3 ist es dann schon ein 48mm “Normalobjektiv”. Dadurch, dass es von den Herstellern meistens aber equivalente Objektive gibt, sehe ich das jetzt einmal neutral. Wer ein kompaktes Tele sucht, wird halt eher mit einem kleineren Sensor glücklich werden. Ein 300mm auf m4/3 sind dann immerhin 600mm, was praktisch ist!

Auflösung
Die Auflösung der Sensoren ist ein schwieriges Thema, hängt sie doch direkt mit der Druckgröße zusammen. Vor allem bei Kameras mit 24 MPixel oder mehr ist die Ansicht bei 100% in Photoshop, Lightroom oder sonstigen Programmen eher problematisch. Das ist beinahe so, als ob man vor einem Werbeplakat mit der Lupe steht. Grundsätzlich muss man sagen, es ist keine gute Kombination einen kleinen Sensor mit sehr hoher Auflösung zu haben. Deswegen gibt es bei m4/3 bis dato auch keine Kamera mit mehr als 16 MPixel. Bei Nikon und Sony haben sich 24 MPixel als Standard für APS-C Kameras und die meisten Vollformatkameras eingebürgert (Nikon verwendet hauptsächlich Sony-Sensoren). Canon ist bei ca. 18 MPixel auf APS-C und ca. 22 MPixel beim Vollformat. Was wir letztendlich wollen sind nicht viele Pixel, sondern gute Pixel. Deswegen sind Smartphones mit extrem hoher Auflösung sehr problematisch.

Eines muss man in diesem Zusammenhang aber verstehen. Sagen wir, wir wollen ein 20×30 cm Bild ausdrucken. Nun habe ich zum Beispiel eine Kamera, wie die Nikon D800/D810 mit 36 MPixel und eine Nikon D750 mit 24 MPixel bzw. Canon 5D MK III mit 22 MPixel. Wenn ich die Bilder dieser 3 Kameras bei 100% am Computer vergleiche, wird unter Umständen das Foto der D800/D810 eine Spur mehr rauschen bei höheren ISOs. Sehe ich einen Unterschied beim Druck? Wahrscheinlich nicht. Der Grund ist jener, dass das Bilder der D800/D810 viel stärker verkleinert wird, als das Bilder der anderen beiden Kameras. Somit “verschwindet” das Rauschen beim Druck und man wird keinen Unterschied erkennen. Die Auflösung der D750 bzw. 5D MK III ist nur etwas 2/3 von der Auflösung der D800/D810. Dafür liefert eine Kamera mit einer so hohen Auflösung viel feinere Details. Um eine so hohe Auflösung allerdings wirklich nutzen zu können, braucht man die besten Objektive, die man kriegen kann und eine absolut einwandfreie “Shooting-Disziplin”. Dazu gehören eine eher schnellere Verschlusszeit, als bei anderen Kameras und bei jeder Gelegenheit ein stabiles Stativ. Nikon hatte beim erscheinen der D800/D800E sogar einen eigenen Technical Guide heraus gebracht, in dem übrigens auf viele Dinge hingewiesen wird, die man bei uns im Grundlagenkurs lernt :-)

Wie viele Megapixel braucht man nun? Ich habe schon Drucke von einer 12 MPixel Kamera auf 50-75 cm gesehen oder sogar größer, die absolut top aussahen und kein einziges der 12 Millionen Pixel zu sehen war. Ich würde jetzt aber trotzdem keine alte Kamera mit wenig Megapixel kaufen, weil die Sensortechnologie seither viel besser geworden ist.

Dynamik-Bereich
Was gerne übersehen wird, ist der Dynamik-Bereich, also die Abstufungen zwischen hell und dunkel (Licht und Schatten), die eine Kamera aufzeichnen kann. Auch hier gilt meisten, je größer der Sensor, desto besser das Ergebnis. Nikon hat mit der D800/D810 erstaunliche 14,8 Blendenstufen. Dies gilt auch in etwa für Sony, weil Sony viele Sensoren für Nikon produziert. Olympus bzw. Panasonic mit m4/3 liegen um 12 Blendenstufen. Canon erreicht mit der 5D MK III nur etwa 11,7 und ist hier trotz Vollformat eher ein “Ausreißer” …sorry Canon fans 😉 Wer’s mir nicht glaubt schaut bitte unter DxOMark selber nach!

Spiegel oder Spiegellos?
Die Zukunft gehört aus meiner Sicht zumindest im Einsteiger-Bereich sicher den spiegellosen Kameras …Nikon und Canon wissen das nur noch nicht 😉 Beide Firmen haben diesbezüglich leider noch immer nichts vernünftiges. Olympus und Panasonic waren hier die Pioniere. Beide leiden aber meiner Ansicht nach immer noch an der selbst gewählten (kleinen) Sensorgröße. Fuji hat im Sturm den Markt erobert, vor allem bei Enthusiasten, die viele manuelle Einstellungen und sehr hochwertige, oft lichtstarke Objektive schätzen. Sony hat sehr gute und vor allem einige sehr innovative spiegellose Kameras, leidet aber etwas an “Objektiv-Mangel”. Für diejenigen, denen manueller Fokus egal ist oder dies sogar mögen, ist das kein Problem. Auf den Sony-Kameras, lassen sich wie bei den meisten spiegellosen Kameras (auch Fuji) alle möglichen Objektive via Adapter nutzen. Man verliert halt meistens den Autofokus und für Canon-Objektive braucht man eine Stromversorgung, um die Blende einstellen zu können.

Der Vorteil vom elektronischen Sucher ist sicher, man kann allerlei Hilfsmittel, wie Fokus Peaking oder Ausschnittsvergrößerungen zum manuell Scharfstellen einblenden. Nikon und Canon schaffen das nicht mal im LiveView einzubauen, dafür wär’s gerade für Film/Video extrem Hilfreich. Bitte Nikon, macht das, das wäre viel hilfreicher als viele andere sinnlosen Funktionen und man könnte das sogar wahrscheinlich mit einem einfachen Software-Update bei älteren Kameras “nachrüsten”! Der Nachteil vom elektronischen Sucher ist, dass er ggf. im schlechterem Licht etwas zu langsam ist um das Bild neu aufzubauen. Wer aber nicht unbedingt Action bei Nacht fotografiert, wird kaum Probleme haben.

Im High-End Bereich haben die DSLRs noch den Vorteil, dass der AF erheblich schneller ist, als bei spiegellosen Kameras. Gute spiegellose Kameras sind aber mittlerweile schon sehr ebenbürtig mit dem Einsteiger-Segment!

Einsteiger- oder Semi/Pro Kamera?
Diese Frage tendiere ich relativ kurz zu beantworten. Man sieht bei den modernen Kameras keinen/kaum noch unterschied in der Bildqualität, so lange alle der gleichen Kamerageneration entsprechen. Der größte Unterschied ist, je teurer die Kamera, desto mehr Knöpfe sind außen dran, desto weniger oft muss man in Menüs etwas einstellen. Man muss sich sicher kein absolutes High-End Gerät kaufen. Praktisch ist, wenn es ein dezidiertes Rädchen sowohl für die Zeit, als auch die Blende gibt und einen Knopf, um den Weißabgleich und die ISO einstellen zu können. Das heißt im Klartext, bei Nikon zumindest die D7100, bei Canon zumindest die 70D. Zum Rest kommen wir jetzt!

Nikon:
D800/D810 – für hohe Details und riesige Drucke, vor allem die D810 ist wohl DIE beste allround Kamera zum aktuellen Zeitpunkt, sieht man mal von extrem schnellen Bildfolgen im Sport ab. Eine unglaublich flexible Kamera, die sonst alles mit macht!
D750 – kleiner und leichter als die D800/D810 und trotzdem Vollformat, dafür etwas schneller, was die Bildfolge angeht und eine etwas geringere Auflösung. Die D610 hab’ ich an dieser Stelle nicht erwähnt, da sie meiner Meinung nach durch die D750 letztendlich obsolet geworden ist! Wer etwas Geld sparen will, für den ist die D610 sicher perfekt, ich denke aber die D750 macht länger Freude.
D7100 – die beste allround APS-C Kamera von Nikon.
D5300 – eine sehr gute Einsteiger-Kamera im APS-C Format. Ein Nachteil gegenüber de D7100 ist, es gibt kein dezidiertes Rädchen für die Blende. Man muss eine Taste drücken.
…vergessen wir hier auch noch mal die Nikon 1 – Serie (CX-Format) mit dem “Mini-Sensor” mit Verlängerungsfaktor von 2,7. Die einzige sinnvolle Kamera für mich aus dieser Serie ist die AW-1, welche Wasserdicht ist. Hätte blos Nikon zumindest einen APS-C Sensor in diese Serie eingebaut. Zumindest für Leute wie mich, die wie bereits erwähnt sehr oft im schlechten Licht enden (hoffentlich nur, was die Beleuchtung angeht), ist dieser Sensor nicht die beste Wahl. Liebe Nikon-Ingenieure, baut mir bitte eine spiegellose Nikon-Kamera mit (zumindest APS-C Sensor), bei der man zumindest mittels Adapter alle Nikon-Objektive verwenden kann und liebe Nikon-Programmierer, programmiert die Funktion FOCUS-PEAKING!!! …und kauft, wenn ihr schon dabei seid den XAVC-S Video Codec von Sony.

Canon:
5D MK III – eine sehr gute allround Kamera, die ebenfalls alles mitmacht …sehen wir mal vom Dynamik-Bereich ab (siehe weiter oben) 😉 …dafür hat sie eine schnellere Bildfolge, als die Nikon D810
6D – der Einstieg ins Vollformat bei Canon. Die Bildqualität ist angeblich sogar besser als bei der 5D MK III, dafür ist der langsamere AF der 5D MK II verbaut, wer die Qual hat, hat die Wahl!
7D MK II (gibt’s ab Nov. glaube ich) – eine sehr gute APS-C Kamera, mit Fokus auf Sport und Naturfotografie
70D – eine Stufe unterhalb der 7D MK II wäre sie trotzdem meine Wahl, müsste ich zwischen 7D MK II und 70D wählen müssen! Man muss die Zusatzfunktionen der 7DMK II wirklich brauchen.
700D – hier gilt ähnliches, wie für den Vergleich zwischen D7100 und D5300 von Nikon. Ein Nachteil ist hier sicher die Bedienbarkeit gegenüber de 70D

Sony:
…vergessen wir mal die DSLRs. Seien wir ehrlich, selbst Sony macht den Eindruck mehr auf spiegellose Kameras in der Zukunft zu setzen. Hier muss sich noch weisen, was daraus wird, an Innovation mangelt es auf alle Fälle im Augenblick nicht. Was ich zu den Sony DSLRs anmerken muss, oftmals ist gerade bei den Einsteiger-Modellen die Bedienung schlichtweg eine Katastrophe …dies gilt nicht (zwingend) für hochwertigere Modelle. Die Programmierer der Firmware (Software) auf der Kamera sollten bei Sony gelegentlich selbst fotografieren, was sie offenbar nicht machen. Bei manchen Kameras muss man zum Beispiel in ein Menü gehen um den AF-Punkt zu verschieben (auszuwählen). Das heißt ich bin im Prinzip chancenlos schnell auf Situationen zu reagieren. Immerhin hat es Sony bei den neuen Modellen endlich geschafft den Nicht-Standard-Blitzschuh, der von Minolta übernommen wurde los zu werden um ihn durch einen “Standard-Blitzschuh” zu ersetzen. Es haben zwar alle Kamerahersteller mehr oder weniger eigene Kontakte für die Blitze, zumindest der Blitzschuh selbst ist genormt und es gibt einen sogenannten Mittelkontakt, was es bei Sony/Minolta nie gab. Ab jetzt kann man zumindest Blitzauslöser für Blitzanlagen etc. ohne Adapter verwenden.
A7r – eine spiegellose Vollformat Kamera mit gleicher Auflösung wie die Nikon D800/D810 und sehr vergleichbarer Bildqualität in einem sehr kompakten und leichtem Gehäuse. Gut, der Autofokus ist nicht wahnsinnig super und der Verschluss ist relativ laut. Wenn Sony den Verschluss behebt und für Video den Codec von AVCHD auf XAVC-S ändert ist’s schon fast ein “must buy”, zumindest als “Reisekamera”. In Verbindung mit Adaptern kann man sogar Leica Objektive oder alte manuelle Nikon Objektive verwenden, was perfekt wäre. Warum baut Nikon so was nicht! Bittebittebitte Nikon macht auch so was!!!
A7s – exzellent zum Filmen im schlechten Licht, mit 12 Megapixel nicht wirklich berauschend was die Foto-Auflösung betrifft, für gelegentliche Fotos und Drucke bis ca. 30×40 sicher ok. Diese Kamera ist aber doch eher fürs Filmen gedacht
A6000 & A5100 – beides spiegellose APS-C Kameras mit exzellentem Sensor. Die A6000 hat zusätzlich zum Display einen elektronischen Sucher, die A5100 hat einen besseren Video Codec, ansonsten sollte nicht wahnsinnig viel Unterschied sein!

Fuji:
Fuji hat den Markt in den letzten Jahren ziemlich umgekrempelt und sie haben einige sehr interessante Modell vor allem für ambitionierte Menschen, die gerne ein echtes “manuelles Feeling” bei der Kamera schätzen, aber auch bei Fotografen, die eine Zeitkamera abseits von Aufträgen suchen. Die Objektive sind meist sehr gut und es gibt vor allem eine schöne Auswahl an lichtstarken Festbrennweiten. Der Sensor im APS-C Format ist eigens entwickelt und in der Kamera kann man sogar “alte Filme” von Fuji einstellen, nur so lange man JPEG fotografiert selbstverständlich.
X-T1 – Profi-Orientierte Kamera, die es in gewissen Bereichen sicher mit Kameras im oberen DSLR-Segment aufnehmen kann. Die Schwachstelle ist leider Video!
X-E2 – Sehr kompakte Kamera im “Messsucher-Style” à la Leica M mit sehr guter Bildqualität und sieht sehr schick aus im Retro-Style :-)

Olympus:
Eigentlich hat ja Olympus mit dem Retro-Style angefangen und die Olympus OM-1 (analog) “nachgebaut” mit der ich selbst schon fotografiert hab’.
OM-D – Die OM-D gibt es mittlerweile in verschiedenen Ausführung von der OM-D EM-1 über die OM-D EM-5 bis zur OM-D EM-10 (je höher die Nummer umso teurer. Sicher eine super Kamera für Fotos, nicht soooo toll für Video …aaaaaber dieser m4/3 Sensor.

Panasonic:
Ich kann ehrlich über Panasonic nicht so wahnsinnig viel sagen. Die einzige Kamera, die ich interessant, sogar extrem innovativ finde ist die Panasonic GH-4 …interessant und innovativ finde ich hier aber auch nur die Video-Funktionen. 4K in der Kamera 10bit Video Output via HDMI und ein Codec, der sich sehr gut verarbeiten lässt und trotzdem eine hohe Bitrate hat ist genial …wäre da nicht dieser m4/3 Sensor. Metabones mit dem Speedbooster hilft zumindest das Problem mit der Schärfentiefe und dem Bildwinkel etwas zu beheben. Da bleibt dann noch das Rauschen, jenseits von ISO 1600. Hab’ ich heut’ Nikon schon mal gebeten so was ähnliches zu bauen 😉

Es würde jetzt den Rahmen sprengen auch noch über Objektive zu sprechen. Wer sich eine (neue) Kamera mit APS-C Sensor kauft, das 18-55mm von Canon ist ziemlicher Schrott …das von Nikon ist auch nicht berühmt, aber immerhin besser. Wer in dieser Brennweite für Canon oder Nikon etwas sucht, sollte sicher zum Beispiel das Tamron 17-50 f/2.8 oder Sigma 17-50 f/2.8 anschauen. Die sind beide viel besser und auch sehr lichtstark mit Blende 2.8.

Mittelformat
Was ist mit Mittelformat, sprich noch größeren Sensoren, als Vollformat? PhaseONE, Hasselblad und Leica mit der S2 machen sicher sensationelle Kameras, seit kurzem gibt es auch eine Kamera von Pentax. Der Kameras sind sehr teuer, sehr groß und sehr schwer. Die Geschwindigkeit vom Autofokus ist eine Katastrophe und jede Einsteiger DSLR ist 10x schneller und hat mehr als 1 oder 3 AF-Punkte. Es muss halt auch ordentlich viel Glas bewegt werden. Die meisten Hersteller verwenden immer noch sogenannte CCD-Sensoren, die ein paar Vorteile haben, aber einen großen Nachteil, sie sind nicht sonderlich gut bei hohen ISOs. Nicht umsonst hat PhaseONE vor kurzem den ersten CMOS-Sensor verbaut, der von der Größe her aber kein “echtes” Mittelformat ist. Noch dazu gibt es meines Wissens nach keine Objektive, die mit f/2.8 Zoom-Objektiven auf Vollformat vergleichbar sind. Haben diese Kameras auch Vorteile? Ja, sicher, die Auflösung ist noch mal höher, sollte jemand mehr als 36 MPixel brauchen. Für mich der größte Vorteil sind aber Objektive, die einen sogenannten Zentralverschluss haben. Dadurch kann man schnellere Verschlusszeiten verwenden, als mit dem Schlitzverschluss, der in DSLRs für gewöhnlich verwendet wird. Grundsätzlich machen diese Kameras aber nur in bestimmten High-End-Nischen Sinn.

Welche Kamera soll ich kaufen?
Ich fürchte, ich kann euch die Frage leider nicht beantworten, welche Kamera ihr kaufen sollt. Jede Kamera ist mehr als die Summe ihrer Teile. Man muss sie in die Hand nehmen und probieren, ob man mit der Bedienung klar kommt und die Kamera gut in der Hand liegt. Außerdem gibt es zu viele verschiedene Kameras und natürlich keine “perfekte Kamera”!

Was würde ich mir kaufen, hätte ich kein Stück Equipment? Schwierige Frage, Kameras und Objektive sind das “Werkzeug”. Meine “Ultraleicht-Ausrüstung” seht ihr hier (weiter unten im Artikel) :-) Würd’ ich eine Kamera nur für mich kaufen und nur Fotos machen wollen, wär’s wahrscheinlich aktuell die Fuji X-T1 oder XE-2, weil ich gerne am Blendenring am Objektiv drehe. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wahrscheinlich eine Leica M oder zumindest ein paar nette Leica Objektive auf der Sony A7r:-)

Vom beruflichen Standpunkt her gibt’s zur Zeit eh nichts besseres (für mich), als meine Nikon D800/D810. PhaseOne oder Hasselblad? …mir fällt gerade nichts ein, wofür digitales Mittelformat für mich nützlich gewesen wäre. Die Nikon D750 bzw. Canon 5D MK III sind beides sicher super Kameras, mit der D800/D810 bin ich aber viel flexibler durch die hohe Auflösung. Schon alleine der 15 MPixel DX-Modus ist Gold wert! Das heißt ich hab’ immer 2 unterschiedliche Brennweiten zur Verfügung, selbst wenn ich mit Festbrennweiten arbeite und ich kann auf Knopfdruck umschalten.

Das einzige, was man bei der D800/D810 besser machen könnten und (für mich) sehr wichtig wäre, sind Fokus Hilfen in LiveView wie Focus Peaking fürs manuellen Fokussieren und ein robusterer Video-Codec fürs Color Grading und 10bit Output via HDMI. Nikon, ihr kauft doch die Sensoren von Sony, vielleicht verkaufen sie euch auch den XAVC-S Codec, der könnte sogar 4K :-) Klar, man kann mit dem Atomos Ninja oder Shogun (für 4K auf der Sony A7s sobald verfügbar) das Problem des Video-Codecs schnell beheben, aber es ist halt wieder ein Kastl mehr zum Mitnehmen.

Weil wir grad beim Filmen sind, würde ich nur Filme machen, wäre es wohl die Sony A7s fürs schlechte Licht und die Panasonic GH4 fürs gute Licht, 4K und 96 Bilder/Sekunde (wieso eigentlich nicht 100 Bilder/Sekunde?). Mein Problem ist, ich mache beides und ich kann mir nicht 4 unterschiedliche Systeme kaufen 😉 Die Sony A7r käme dem am nächsten, was Sinn für mich machen würde, gäbe es eine dementsprechende Auswahl an Objektiven. Ich liebe die 36 MPixel Auflösung der D800 und für Aufträge gibt’s eigentlich kaum eine perfektere Kamera. Für Reisen oder private Fotos ist der ganze Vollformat-Kram eigentlich der absolute “Overkill”. Viel zu schwer, viel zu unhandlich! Daher nutze ich dafür recht oft die Nikon D7000, sobald ich wieder daheim bin vermisse ich die 36 MPixel mit dem unglaublichen Detailreichtum der D800! Für die meisten Anwendungszwecke reicht, der APS-C Sensor letztendlich aber völlig. APS-C (DX bei Nikon) ist der perfekte Kompromiss bezogen auf Preis/Leistung/Gewicht. Für Drucke bis ca. 30×40 cm reichen 8 MPixel sowieso locker aus und die meisten Kameras haben jetzt auch schon bis zu 24 MPixel! Ich habe vor kurzem Portfolio-Fotos gedruckt und im Portfolio sind Fotos, die mit der Nikon D70 (6 MPixel), Nikon D300 (12 MPixel), Nikon D7000 (16 MPixel) und Nikon D800 (36 MPixel) gemacht wurden. Um ehrlich zu sein, ich sehe bei Druckgröße 30×40 cm keinen Unterschied so lange das Licht gut war oder die Fotos im Studio gemacht wurden! Fairerweise muss ich dazu sagen, dass Bilder mit der D800 bei ISO 3200 immer noch quasi rauschfrei aus dem Drucker kommen, was man bei der D70 erst gar nicht einstellen konnte.

Was man daraus lernt? Jede Kamera ist gut genug um schöne Fotos zu machen. Es kommt viel mehr darauf an, wer hinter der Kamera steht bzw. was man mit der Kamera macht …aber das ist eine andere Geschichte!

Dieser Text bzw. die angegebenen Kameras sind unter Umständen in kürze oder in ein paar Monaten nicht mehr oder nur noch teilweise aktuell. Ich hoffe aber, dass meine generellen Tipps euch noch länger hilfreich sein können. Bevor man eine Kamera kauft sollte man sich einerseits im klaren sein wie viel Geld man ausgeben will und wie leidensfähig man ist mehrere Kilo an Equipment herum zu schleppen. Es macht keinen Spaß mit einer Vollformatkamera mit 2 – 3 lichtstarken Zoom-Objektiven den ganzen Tag spazieren zu gehen. Wer Sport oder andere schnell bewegte Objekte fotografiert braucht einen schnellen Autofokus, wer vorwiegend Landschaften und unbewegte Dinge fotografiert kauft sich besser ein neues stabiles Stativ statt einer neuen Kamera 😉 Ausführlichste Tests und Infos zu diversen Kameras findet ihr auf DPREVIEW. Wer im Text nicht alle Fachbegriffe verstanden hat oder sich generell für Fotografie interessiert, kann gerne mal bei FOTOKURSE TIROL & SALZBURG vorbei schauen!

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