Harald Voglhuber | Photographer & Filmmaker

Werbefotografie & Werbefilme | Innsbruck, Tirol, Wien, Salzburg, Steiermark

Die Leica M, die einzige “M” die zählt!

Leica M - Salzburg

Ich gebe es offen und ehrlich zu, ich war bis dato kein wirklicher Leica Fan! Die Leica M Serie ist ein absoluter Klassiker! Auf den 1. Blick allerdings unglaublich teuer (über 6000,– EUR nur fürs Gehäuse) und auch gewissermaßen unglaublich unmodern, wenn man eine Kamera mit den neuesten Features sucht. Es gibt keinen Autofokus und man sieht nicht exakt den Bildausschnitt, weil es eine sogenannte Meßsucherkamera ist. LiveView hatte die Leica allerdings schon immer, den optischen Sucher 😉 …in dem man allerdings rechts unten immer unschwer das Objektiv erkennen kann.

Ich hatte trotzdem immer tiefen respect von der Ingeneurskunst mit der Leica immer noch Objektive und Kameras herstellt, vor allem auch weil Leica ja quasi die 35mm Kleinbildkamera erfunden hat, die wir im digitalen Zeitalter nur mehr Vollformat-Kamera nennen.

In Salzburg hatte es sich letztens ergeben, dass ich eine Leica M auszuprobieren …oder richtiger erfahren, ertasten, erleben konnte. Nach den ersten digitalen Leica’s M8 + M9, jetzt nur noch M, die einzige “M”, die zählt wie’s scheint. In der Tasche war noch das Summilux-M ASPH 1:1,4 24mm + 35mm und dem schnellsten Objektiv der Welt, dem Noctilux-M 1:0,95 50mm. Soviel vorweg, die Batterie der Kamera war schneller leer, als ich mich wieder vom Noctilux trennen konnte. Sobald man eine Leica in Händen hält, fühlt man sich sofort den großen Meistern wie Alfred Eisenstadt, Henri Cartier-Bresson oder Elliott Erwitt viel näher. Diese und andere haben wahre Meisterwerke mit der Leica M geschaffen haben. Und ist nicht doch die M selbst schon ein  kleines Meisterwerk der Ingeneurskunst.

Ein Meisterwerk ist auch das Noctilux 1:0,95. Ich habe noch nie bei einem Objektiv solch ein butterweiches Bokeh gesehen, es ist einfach unbeschreiblich. Der Schnittbildsucher funktionierte überraschend gut, selbst bei Blende 0,95 hatte ich überraschend wenig Ausschuss bei den Bildern! Die Mechanik ist ein Traum zu bedienen und der extrem leise Verschluss ist ein wahrer Segen, wenn man den Donnerschlag einer Vollformat-DSLR, wie der Nikon D800 gewöhnt ist! Die Menüsteuerung der Leica M ist …reden wir über etwas erfreulicheres :-) Die Leica M ist wie geschaffen für Street Fotografie. Mit etwas Übung mit dem Schnittbildsucher oder dem Zonen-Fokussieren ist man oft sogar schneller, als mit einer Autofokus-Kamera. Außerdem glaubt jeder man hat die Kamera aus dem Schrank von Opa geklaut. Selten aber hat das Fotografieren wieder so spaß gemacht, wie mit der Leica.

Vielleicht macht das Fotografieren mit der Leica gerade deswegen so viel spaß, weil sie sich aufs absolute Minimum beschränkt. Selbst der Belichtungsmesser in der Kamera scheint inspiriert durch Zen auf ein wahres Minimum mit dem Punkt für richtig belichtet und jeweils ein Pfeil für zu hell oder zu dunkel. Was die Kamera nicht minimal sondern eher maximal festhält, das sind feine Details. Ich hatte leider vergessen auf RAW umzustellen, weil meine eigenen Kameras eigentlich nie im JPG-Modus arbeiten. Ich war verblüfft wie viele details in Lichtern und in Schatten die Kamera selbst im JPG gehalten hat und wie wunderbar die Farbwiedergabe der Leica ist – direkt aus der Kamera, unverblümt und unbearbeitet.

Wie gesagt, ich war bis dato kein wirklicher Leica Fan, jetzt muss ich gestehen bin ich zumindest ein wenig ein Leica Fan. Auf alle Fälle ist die Leica M ein schönes Beispiel dafür, dass eine Kamera viel mehr ist, als die Summe ihrer Teile oder Spezifikationen auf einem Blatt Papier. Eine Kamera kann man nur dann wirklich beurteilen wenn man sie in die Hand nimmt und damit fotografiert. Vielleicht bin ich aber letztendlich etwas zu wenig puristisch für die Leica M. Ein OLED-Sucher mit Focus Peaking wäre manchmal sicher hilfreicher, als der Schnittbildsucher. Eins sei hier aber erwähnt, der manuelle Fokus an der Leica funktioniert 100x besser, als das selbst auf den modernen high end Nikon und Canon Kameras möglich ist. Beide Hersteller haben leider immer noch nicht verstanden, dass es sehr nett ist, wenn einem die Kamera bei der Arbeit hilft. Selbst die Leica bietet Focus Peaking in LiveView (ja, über den Monitor) und was soll ich sagen, es funktioniert hervorragend! Wozu manueller Fokus auf Nikon’s und Canon’s fragen jetzt vielleicht manche. Das Thema Film/Video ist das erste, das mir einfällt, aber auch Genres wie Architektur, Interior oder sogar Landschaft. Mehrfach stand ich schon auf einer grünen Wiese mit einer schwarzen Jacke über dem Kopf um manuell präzise zu fokussieren, weil ich am Display nichts mehr sehen konnte und die modernen Sucher sowieso im wesentlichen ungeeignet sind um präzise manuell scharf zu stellen. Klar, es gibt Display-Lupen, Monitore und keine Ahnung was sonst noch an Hilfsmittel, aber das ist alles wieder zusätzlicher Kram, den ich mitschleppen muss. Gerade bei meinem Laos-Projekt war ich sehr eingeschränkt mit Equipment, dass ich mitnehmen konnte und in so einem Fall ist es immer schön, wenn es die Kamera schon selber kann (mal abgesehen davon, dass man’s zusätzlich kaufen muss).

Die wundervollen manuellen Objektive von Leica auf spiegellosen Vollformat-Kameras, wie der Sony A7R (A7 oder A7S), zu nutzen liegt hier natürlich sehr nahe. Ich war auch nie ein Sony Fan muss ich gestehen …bis jetzt zumindest :-) Aber um ehrlich zu sein, würde ich eine neue 2.-Kamera auf der Liste stehen, wär’s im Augenblick eher eine Sony A7R, als etwas von Nikon (oder Canon). Die Bedienbarkeit und vor allem die Menüs der Sony’s sind zwar immer noch eher “naja”, die spiegellosen Vollformat-Kameras sind aber sehr speziell und schlichtweg brillante Kameras, was die Bildqualität betrifft. Ich wünschte wirklich Nikon hätte (zum Beispiel statt der DF) etwas ähnliches mit dem D4-Sensor oder dem wunderbaren Sensor der D800/D810 gebaut. Zum Glück bieten aber Novaflex und Metabones eine Vielzahl von Adaptern, die einem ja quasi sämtliche Objektive nutzen lässt. Weil wir gerade bei den spiegellosen Kameras sind, auch Fuji hat wirklich excelente Kameras. Gerade die X-E2 wird ja oftmals als “Baby-Leica” betrachtet und natürlich auch die X-T1. Die Fuji-Objektive sind ebenfalls klasse. Die Bildqualität der Stills ist super, die Filme/Videos (die mir auch wichtig sind), sind nicht so toll. Die Perfekte Kamera wäre somit wohl der Sensor der Sony A7R/Nikon D810 mit der Low Light Performance der A7S, den AF + Video-Features der Panasonic GH4 im Gehäuse der Fuji X-T1 mit den Objektiven von Leica. Hab’ ich einen Kamera-Hersteller vergessen? Aja, Olympus denke ich. Bald ist die Photokina somit besteht vielleicht Hoffnung :-)

Die Objektive von Leica sind auf alle Fälle absolut erste Sahne mit einem unglaublichen Charakter, der einem nicht mehr aufhören lässt Fotos zu machen. Habe ich schon das wundervolle Bokeh erwähnt? Von diesem butterweichen Bokeh kann man nämlich nicht genug bekommen, egal ob Summicron, Summilux oder Noctilux. Mir ist klar, ein echter Leica Fan würde mich wahrscheinlich verachten für den Gedanken die M-Optiken auf eine spiegellose Kamera zu schrauben. Vielleicht hatte ich bis dato auch nur zu wenig Zeit um die Leica M vollends schätzen zu lernen. Der einzigartigen Charakteristik und dem Charme der Objektive bin ich schon mal erlegen.

Derweil bleibt nur der Trost, dass es letztendlich nicht vorwiegend darauf ankommt womit man fotografiert, sondern was und wie man die Kamera als Werkzeug nutzt. Als Werkzeug zur Umsetzung der eigene Imagination. Die beste Kamera ist immer diejenige, die man hat und auch dabei hat und das wichtigste Equipment beim Fotografieren haben wir zwischen unsere beiden Ohren. Das hat auch Leica erkannt und hat wohl den einzig wahren Werbespruch der Welt kreiert: “Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.”

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2 Responses to “Die Leica M, die einzige “M” die zählt!”

  1. […] gerne am Blendenring am Objektiv drehe. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wahrscheinlich eine Leica M oder zumindest ein paar nette Leica Objektive auf der Sony […]

  2. […] Nicht zuletzt seien auch die absolut zeitlosen Klassiker von Carl Zeiss erwähnt. Gerade Zeiss ist allerdings eher eine “Nische”. Die Objektive sind optisch wohl so ziemlich das Beste, was man kaufen kann und zeichnen sich oft durch eine wunderschöne Ästhetik aus, sind aber recht teuer und haben keinen AF. Geschlagen in Qualität und Ästhetik (wie auch im Preis) werden diese Objektive wohl nur noch von Leica. Leica baut aber keine Objektive für Canon, Nikon oder Sony. Will man Leica Objektive verwenden, muss man sich entweder eine Leica M leisten oder die Objektive ggf. noch mit Hilfe von Adaptern an div. spiegellosen Kameras von zum Beispiel Fuji (X-E2 oder X-T1) oder Sony (A7 II, A7r, A7s) verwenden. Meine grundsätzliche Erfahrung mit der Leica M und deren Objektive findet ihr hier. […]