Harald Voglhuber | Photographer & Filmmaker

Werbefotografie & Werbefilme | Innsbruck, Tirol, Wien, Salzburg, Steiermark

Was ich durch die Ukulele übers Fotografieren gelernt habe!

Harry mit der Ukulele

Vielleicht gleich zu Beginn ein kurzer Ausflug in meine bisherige musikalische Geschichte, die recht rasch erzählt ist. Diese ist nämlich in Wahrheit NULL, NIENTE, ZERO, NADA :-) Ich hatte bis dato noch nie ein Musikinstrument gespielt/gelernt. Ich liebe allerdings Musik und Musik war schon immer ein recht wichtiger Bestandteil meines Lebens. Vor vielen, vielen Jahren hatte ich mich auch darin versucht Musik zu komponieren (wenn man das so nennen kann 😉 ) via sogenannter Sound Samples und Tracking Software wie ScreamTracker …diese Programme liefen noch unter MS-DOS. Sollte sich noch jemand an MS-DOS erinnern können, der weiß jetzt wie lange das her ist :-) Das war allerdings ein sehr digitaler Ansatz, Musik ist aber grundsätzlich nicht digital, Musik muss leben, hat eine Seele, ist mit Gefühlen verbunden und soll sich nicht von Nullen und Einsen beherrschen lassen.

Nun hatte ich mir Ende April eine Ukulele gekauft. Die Ukulele ist ein sehr freundliches Instrument. Sie ist mit 4 Saiten sehr überschaubar und schüchtert einem nicht ein. Ein Instrument oder in diesem Fall eine Ukulele zu kaufen, ist die eine Sache, ein Instrument gekonnt zu “bedienen” bzw. dieses zu spielen eine ganz andere 😉

 

Erfahrungen zum Lernen

Fertig aus der Packung funktionierte natürlich gar nichts, man muss die Ukulele erst einmal stimmen. Wie tut man das? In meinem Fall, als passionierter Autodidakt sucht man erst mal auf YouTube nach Videos bzw. im Google, wie den die Saiten den klingen sollen bzw. wie gestimmt werden können. Als Stimmgerät war zum Glück sehr schnell eine App fürs Smartphone parat. Welche Saiten muss ich jetzt nun wie drücken und halten damit hier Töne raus kommen, die nicht fürchterlich falsch klingen.

Ich hatte vor einiger Zeit auch ein Video von einem TEDx Vortrag von Josh Kaufmann zum Thema lernen gesehen. Dieser Vortrag ist wirklich jedem zu empfehlen und auch recht unterhaltsam.

Auch Josh Kaufmann versucht sich an der Ukulele, dies war allerdings nicht der Grund für mich eine zu kaufen. Was ich von seinem Vortrag für mich mitgenommen habe, war die Herausforderung seine Theorie zum Lernen an mir selbst zu erproben. Jeder kennt wahrscheinlich die schlaue Regel, dass man 10.000 Stunden investieren muss um etwas zu (er)lernen. Das würde bedeuten für die nächsten 3,5 Jahre jeweils ca. 8 Stunden pro Tag zu üben. Das ist gelinde gesagt etwas deprimierend. Ich war bezüglich Lernen immer schon ein großer Anhänger vom Paretoprinzip, welche sicher auch viele kennen. Das Parettoprinzip besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Das wären dann “nur” noch 2.000 Stunden, was immerhin schon erfreulicher klingt als 10.000 Stunden.

Josh Kaufmann behauptet, 20 Stunden reichen um grundlegendes zu lernen, so fern man sich zuvor Gedanken macht das Richtige zu lernen bzw. effizient zu lernen. Im Falle der Ukulele bringt es natürlich nichts sämtliche Griffe für Akkorde zu auswendig zu lernen. Es gilt herauszufinden welche Akkorde in Liedern am häufigsten vorkommen. Lernt man diese, hat man schon irrsinnig viel geschafft. Lassen wir einmal Wolfgang Amadeus Mozarts Werke beiseite und betrachten klassische Pop und Rock Songs, so kommen in den meisten Liedern oft nur 4 – 5 Akkorde vor. Meistens sind dies C, G, Am und F. Das heißt wenn ich jetzt lerne wie ich C, G, Am und F greifen kann, kann ich sämtliche Popsongs der Geschichte spielen, was ist sehr praktisch :-)

Wer’s nicht glaubt, kann sich auch hier das Lied 4 Chords von der Australischen Band Axis of Awesome anhören.

Nachdem ich U2 sehr gerne mag, war dann allerdings nicht Axis of Awesome meine erste Wahl bzw. das erste Lied, dass ich lernen wollte, sondern eines von U2.  Ein Lied, dass ebenfalls mit diesen 4 Akkorden auskommt. Was soll ich sagen, es hat absolut funktioniert und ich konnte das Lied in kürzester Zeit relativ gut spielen und viele, viele andere auch. Der Rest ist nur noch Übung, um schneller und präziser zu werden.

 

Erfahrungen zum Thema “Werkzeuge”

Bis jetzt fehlt sicher vielen der Bezug zum Fotografieren. Außerdem will ich hier niemandem vermitteln, sie oder er könnte gut Fotografieren innerhalb von 20 Stunden erlernen :-) Sehr reduziert gesehen hat eine Kamera ja nicht wahnsinnig viele Funktionen, die man einstellen muss (abgesehen von hochtrabenden, schicken Funktionen, die man nicht ständig braucht). Im wesentlichen reduziert sich alles auf Blende, Zeit und ISO was die Belichtung betrifft und dann ist noch der (Auto)Fokus und der Weißabgleich wichtig.

So wie die Kamera ein Werkzeug ist um Bilder zu machen, so ist die Ukulele ein Werkzeug um Musik zu machen. Auch in unseren Fotokursen predige ich immer, dass nicht das Werkzeug wichtig ist sondern die nötigen Fertigkeiten zu erlernen, diese zu üben und gekonnt einzusetzen. Niemand nimmt an ein Musikinstrument sofort zu beherrschen, wenn er oder sie es in die Hand nimmt. Viele glauben aber die Kamera oder gar das Medium Fotografie zu beherrschen wenn sie eine in die Hand nehmen.

Durch die Ukulele wurde mir bei einer Gelegenheit wieder klar vor Augen geführt, dass die Person hinter dem “Werkzeug” viel wichtiger ist, als das Werkzeug selbst. Ein Freund von mir feierte seinen Geburtstag, nachdem ich Mutig genug bin nach 4 Wochen in Besitz der Ukulele etwas öffentlich zum Besten zu geben, nahm’ ich die Ukulele auf die Party mit, eine Freundin hatte zugesichert mich gesanglich zu unterstützen. Letztendlich musste ich aber alles selber machen, weil sie der Mut verlassen hat, aber ich hab’s getan und es war ein super Erfahrung …vor allem mit der Entschuldigung die Ukulele erst seit 4 Wochen zu besitzen :-)

Auf dieser Party waren auch einige Musiker, die gleich alle freudig das Instrument in die Hand nehmen mussten. Das etwas deprimierende für mich war zu hören welche Töne diese Erfahrenen Musiker dem gleichen Instrument entlocken konnten, dass gerade ich noch in Händen gehalten OK-Töne produzierte. Nicht das Instrument macht die Musik sondern der Mensch der das Instrument spielt. Nicht die Kamera macht das Foto sondern der Mensch hinter der Kamera.

Gerade die Ukulele wird als Instrument oft etwas belächelt und unterschätzt. Wenn man aber hört, welche Töne manche Musiker diesem kleinen, verhältnismäßig einfachem Instrument entlocken, ist man schlichtweg fasziniert. Ich bin diesbezüglich zum Beispiel über Jake Shimabukuro gestolpert.

Oder die Ukulele Version eines thailändischen Musikers namens Olarn.

Aus meiner nun persönlichen Erfahrung kann ich folgendes weitergeben: Um der Ukulele solche Töne zu entlocken muss man definitiv mehr als 20 Stunden Übung investieren :-)

 

Das Gefühl für Musik und die Interpretation

Nicht ohne Grund spricht man in der Musik oft von Interpreten. Kein Musiker spielt wie ein anderer. Jeder interpretiert die Musik auf seine eigene Art und Weise. Bringt sich selbst in jedes Lied mit ein. Wer ein Instrument spielt oder es zumindest einmal versucht hat weiß, dass durch den Anschlag, die Geschwindigkeit/das Tempo, dem Rhythmus etc. unendliche Möglichkeiten entstehen um ein Lied zu interpretieren. Ebenso ist es beim Fotografieren. Die grundlegenden Techniken zu erlernen ist die eine Geschichte, etwas wirklich gut zu können eine ganz andere.

Die grundlegenden Kamerafunktionen zu lernen mag ebenfalls nicht wahnsinnig schwierig erschein, wie es auch das Lernen der Griffe für ein C, G, Am und F auf der Ukulele in Wahrheit nicht ist. Aber wie Leica schon einmal in einer Werbung sagte, “Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern!”.

Was die Musik und die Fotografie verbindet ist, dass in jedem Bild auch ein Teil von einem selbst steckt. Aus Tempo und Rhythmus wird Licht, Bildkomposition und die Wahl der technischen Einstellungen auf der Kamera, welche das Bildergebnis selbstverständlich mitbestimmen. Auch hier interpretiert der Fotograf/die Fotografin die Wirklichkeit durch die eigene Persönlichkeit, die eigene Sichtweise. Fotografie ist nie die zweidimensionale Abbildung der Wirklichkeit, sie ist immer die Interpretation des Fotografen von der Wirklichkeit.

Der Größte, aber auch extrem interessante Unterschied zwischen Musik und fotografieren ist aber, dass man beim Fotografieren immer darum bemüht ist flüchtige Momente für die Ewigkeit einzufangen, diese festzuhalten. Spielt man ein Instrument, erschafft man genau einen solchen flüchtigen Moment, der sich allerdings nicht einmal über eine Kamera einfangen lässt. Ist dieser vergängliche Ton erst einmal gespielt, verklingt er im Nichts.

Nachdem mich bis jetzt noch keiner spielen gehört hat, zumindest die Meisten nicht, die das gelesen haben, gibt’s hier noch ein kurzes Video auf YouTube. Das Lied ist grundsätzlich von mir, weil ich mutig genug war zu versuchen etwas selbst zu komponieren. Die aktuellen Mankos treten durch die Aufnahme zwar mehr zutage als wenn man selbst spielt uns sich zuhört, ich hoffe es gefällt trotzdem :-) Zum Bildnachweis noch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Tommy Seiter für das Foto von mir mit der Ukulele ganz oben bzw. im YouTube Video!

 

Konklusion

Egal ob man nun ein Instrument spielt oder fotografiert. Nie ist das Equipment das wichtigste. Es ist sehr einfach sich eine Ukulele um 2.000,– EUR zu kaufen oder eine Kamera um 30.000,– EUR, wenn man über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Es heißt aber noch lange nicht, dass man darauf auch gut spielen oder gute Fotos damit machen kann. Wer gut spielen oder fotografieren kann, kann dies auch mit vergleichsweise günstigem Equipment. Worauf es in der Musik und in der Fotografie ankommt sind letztendlich immer Dinge, die man oft nicht kaufen kann bzw. wofür man auch selbst etwas tun muss:

  • das nötige Wissen
  • das ständige Üben und Anwenden des Wissens
  • die Erfahrung das geübte Wissen gezielt einzusetzen
  • Talent (hilft meistens auch :-) )
  • Herzblut, Imagination und Passion, die man aufbringen muss um jedes Mal sein Bestes zu geben. Egal ob man nur für sich selbst spielt oder für sich selbst ein Foto macht. Gleichgültig, ob man vor 100. Menschen spielt oder für Kunden bzw. andere Menschen fotografiert.

Geht raus und macht möglichst alles, was ihr tut mit eurem Herzblut und mit Hingabe. Bemüht euch vor allem auch wertzuschätzen, wenn jemand Dinge mit viel Liebe und Begeisterung (für euch) tut. Egal ob es um einen bezahlten Auftrag/ein Konzert handelt oder um ein freies Projekt/ihr für euch selbst spielt.

Man kann selbst in kurzer Zeit viel lernen und man kann auf eine Art und Weise lernen, die unheimlich viel Spaß macht. Irgendwann kommt man (ich zumindest) aber an einen Punkt, wo das Paretoprinzip leider nicht mehr funktioniert. Ich bin nie zufrieden mit mir selbst, greife immer nach den Sternen und messe mich an den Besten. Egal, was man tut oder welche Ziele man sich setzt, nur durch viel Wissen und Übung wird man wirklich (sehr) gut. Herzblut und Enthusiasmus hilft dabei nicht aufzugeben. Je mehr man weiß umso mehr weiß man, was man nicht weiß! Ihr wisst somit auch, wo ihr mich in den nächsten 10.000 Stunden finden werdet 😉

Wenn ihr diesen Artikel hilfreich/interessant gefunden habt, freue ich mich natürlich auch über Kommentare auf Facebook oder über persönliche Nachrichten.

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